Am 1. März wurde im Mendelssohnsaal des Leipziger Gewandhauses ein Konzert zu Ehren des Komponisten, Dirigenten, Musikwissenschaftlers, Organisten und Rundfunkpioniers Alfred Szendrei mitgeschnitten.
Mit Dennis Russell Davies und einem Kammerensemble aus Mitgliedern des Gewandhausorchesters und des MDR-Sinfonieorchesters kamen Lieder, Opernauszüge und ein Gebet aus der aschkenasischen Tradition zur Aufführung. Besonders bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Die vom Gewandhaus in Auftrag gegebene Uraufführung von Auszügen aus Szendreis Oper „Der türkisenblaue Garten“ in einer neuen Bearbeitung.
Alfred Szendreis Geschichte und sein künstlerisches Schaffen stehen in enger Verbindung zur Musikmetropole Leipzig. Der in Budapest gebürtige Szendrei kam 1918 nach Leipzig und avancierte 1924 zum Kapellmeister am Opernhaus der Stadt. Noch im selben Jahr reüssierte er als Musikdirektor der MIRAG, der Mitteldeutscher Rundfunk AG und fungierte schliesslich als erster Dirigent des Leipziger Sinfonieorchesters. In allen Funktionen wußte der Ungar deutliche Akzente zu setzen, für die Entwicklung des Rundfunks und der Rundfunk-Sinfonieorchester wurde er gar zum Visionär. Szendreis Leipziger Zeit endete mit dem wachsenden Antisemitismus in den 1930er Jahren. Aufgrund seiner jüdischen Provenienz und den damit verbundenen Schikanen verlor er seinen Posten und emigrierte 1933 zunächst nach Frankreich, später in die USA, wo er 1976 starb.


